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Die Tücken des Praktikumszeugnisses
von Katharina Maier
"Frau Müller, die bei uns als Marketing-Assistentin arbeitete, war eine zuverlässige Mitarbeiterin, die sich mit großem Eifer an die Aufgabe herangemacht hat und erfolgreich war."
Du liest diesen Satz in Deinem Praktikumszeugnis und denkst, er klingt gut? Du bist zufrieden damit und denkst, dass besseres Lob nicht mehr möglich sei? - Falls das der Fall ist, kennst Du den Geheimcode der Zeugnissprache noch nicht.
Die tatsächliche Übersetzung des Satzes lautet nämlich wie folgt: Frau Müller war zwar immer zur Stelle, wenn man ihre Unterstützung benötigte, aber nicht immer zu gebrauchen. Oder, um es deutlicher zu sagen - ihre Leistungen waren mangelhaft.
"Herr Meyer trug sehr zur Verbesserung des Betriebsklimas bei." - Du bist der Meinung, dass Herr Meyer ein netter Mitarbeiter war? Nein, es heißt nichts anderes, als dass Herr Meyer gerne mal tief ins Glas schaute.

- © Gerd Altmann/Pixelio.de
Einen Menschen öffentlich als Versager zu bezeichnen, gilt allgemein als unhöflich. So etwas auch noch in ein Arbeitszeugnis zu schreiben, ist sogar verboten. Aus diesem Grund werden in Arbeitszeugnissen stets nette Formulierungen verwendet, um Deine Arbeitsleistung und Dein Sozialverhalten zu beschreiben. Einige dieser Formulierungen sind wirklich positiv gemeint, andere wiederum können versteckte negative Botschaften übermitteln.
Als Praktikant hast Du ein Recht auf ein "wohlwollendes" Zeugnis, in dem Deine Leistungen mindestens mit "befriedigend" bewertet werden. Ein schlechtes Zeugnis könnte Dir schließlich die Chancen auf einen Arbeitsplatz oder einen anderen Praktikumsplatz verbauen. Arbeitgeber haben deshalb eine "Geheimsprache" entwickelt, mit der sie Kritik höflich ausdrücken.
schuelerbarometer.de hat für Dich hier die gängigsten Formulierungen und ihre Bedeutungen aufgelistet.
- Sie war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.
= Eine unangenehme Mitarbeiterin, der es an Kooperationsbereitschaft mangelt. - Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.
= Ein Mitläufer und Ja-Sager, der sich gut verkaufen kann. - Sie verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen.
= Überspielt mit Arroganz ihr mangelndes Fachwissen. - Er verstand es, alle Aufgaben mit Erfolg zu delegieren. = Er drückte sich vor der Arbeit.
- Sie war ihren Mitarbeitern jederzeit eine verständnisvolle Vorgesetzte.
= Sie besaß keine Durchsetzungsstärke und wurde nicht respektiert. - Er hat alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse gelöst.
= Er hat Firmeneigentum gestohlen. - Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin.
= Sie führte lange Privatgespräche. - Die ihm gemäßen Aufgaben...
= Die anspruchslosen Aufgaben... - Sie war mit Interesse bei der Sache
= aber ohne Erfolg. - Wegen seiner Pünktlichkeit war er stets ein gutes Beispiel.
= aber nicht wegen seiner Leistung.
Was auf keinen Fall in Deinem Zeugnis fehlen darf
Neben Deinem Name, Geburtstag und Geburtsort, gehören auch eine Tätigkeitsbeschreibung sowie eine Gesamtnote dazu. Bei einem Arbeitszeugnis ist ebenso ein Schlusssatz mit einer Erklärung, warum das Arbeitsverhältnis beendet wurde, Pflicht. Hier findest Du eine umfangreiche Geheimcode-Liste von arbeitszeugnis.de.
Hier erhältst Du Informationen rund ums Praktikum im Ausland.
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